
Der Canal du Midi - Historische Routen Frankreich
Die Idee, eine direkte Flussverbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik zu schaffen, wird seit der Antike beschworen. Die beabsichtigten Projekte stießen alle auf das Problem der Wasserzufuhr des zukünftigen Kanals. Die Lösung wurde von Pierre-Paul Riquet gefunden, einem reichen Salzbauern, der aus Béziers stammte. 1662 verfasst er ein Schriftstück an Colbert. Der Finanzverwalter König Ludwigs XIV begreift schnell, welche ökonomischen, politischen und militärischen Interessen hinter einem derartigen Bau stehen und somit kommt 1666 die königliche Entscheidung , die Bauarbeiten des „königlichen Kanals" zu beginnen, zustande.
Es beginnt also ein für die Epoche außergewöhnlicher Bau, der bis zu zehntausend Arbeiter beschäftigt und mehr als 14 Jahre dauern wird! Man zählt 328 Kunstobjekte: Brücken, Aquädukte, Becken, 65 Schleusen mit 103 Schleusenkammern wurden erbaut und 45 000 Bäume am Weg entlang gepflanzt, um die Uferböschungen zu erhalten und die Passagiere und Güter vor der Sonne zu schützen. Die Arbeiten sind fast abgeschlossen, als Pierre-Paul Riquet am 1. Oktober 1680 in Toulouse verstirbt. Der „königliche Kanal" wird im Mai 1681 eröffnet und hat mehrere Millionen Livre gekostet.
Im Anschluss werden zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert weitere Arbeiten unternommen, wie die Überführung der Cesse durch Vauban, das Aquädukt von Fresquel in Carcassonne oder die Kanalbrücke über den Orb in Béziers. Zwei Jahrhunderte lang wird der Kanal, der während der Französischen Revolution zum Canal du Midi wurde, zum Wirtschaftswachstum der Region beitragen. 1856 ist die Handelsaktivität mit 110 Millionen Tonnen Gütern und fast 100000 transportierten Passagieren auf ihrem Höhepunkt. Doch im Angesicht der Konkurrenz auf Schienen und schließlich auf der Straße sinkt die Aktivität unerbittlich und die kommerzielle Kanalschifffahrt verschwindet in den 1970er Jahren.
INFORMATIONEN
Wasserstraßen Frankreichs (VNF)
Port Saint-Etienne
Boite Postale 7204
31073 Toulouse cédex
Tel.: + 33 (0)5 61 36 24 24